Um das wichtigste vorweg zu nehmen: Der Kinabalu hat uns bezwungen, wenn auch nur knapp und auf den letzten Meter, das Ziel schon vor Augen.
Unser alpines Unterfangen begann ca. 23 Stunden vorher mit einem herhaften Frühstück in Kota Kinabalu und dem Aufbruch zum Berg um 06.30 Uhr. Nach der Registrierung und der Begrüßung durch unseren Guide, begann der Aufstieg zum Basislager auf 3200 Meter um kurz vor 09:00 Uhr. Die Hitze und die subtropische Vegeation liessen uns am Anfang vergessen, dass wir uns auf rund 2000 Metern Höhe befanden, aber spätestens nach einem Kilometer begann unser Puls unnatürlich heftig hochzuschnellen. Später kam das Pochen in der Schläfe hinzu, dass uns bis zum Gipfel und ein gutes Stück zurück begleitete.
Der Weg zum Basislager ist technisch nicht anspruchsvoll, es ging eigentlich sechs Stunden lang immer nur bergauf. Spätestens auf 2500 Metern kam mir der Gedanke, ob es wirklich so clever war, mir unser gesamtes Gepäck für eine Woche Borneo auf den Rücken zu schnallen. Andererseits wurden wir regelmäßig sehr zügig von schwer bepackten Lastenträgern überholt, die Essen und 20 Kilo Gasflaschen zum Basislager schleppten.
Am nächsten Tag brachen wir gegen 02:30 in der früh mit Stirnlampen und einem mulmigen Gefühl im Bauch auf, wir alle anderen Kletterer mit dem Ziel, bei Sonnenaufgang auf dem GIpfel zu stehen.
An klaren Tagen kann mann vom Kinabalu bis auf die Phillipinen sehen (das geht noch nicht mal vom Everest!). An unserem Tag waren die Wolken so dicht, dass uns viel Raum für Phantasie blieb bezüglich der Frage, wie tief es eigentlich 10 Meter neben uns runtergeht.
Ab 3800 Metern hört die Vegetation auf und man arbeitet sich mit Hilfe der Fixseile über das Gipfelplateau auf den Gipfelgrat vor. Die Zahl unser Mitkletterer hatte sich schon deutlich gelichtet. Regen und Kälte hatten Tina so zugesetzt, dass Sie ihre FInger nicht mehr bewegen konnte, und als dann noch der Wind erheblich zulegte, brach das unser kleinen Expedition das Rückgrat. Bei mir kam noch eine plötzlich einsetzende Höhenübelkeit dazu, so dass ich mich auf der letzten Seilpartie erstmal schwunghaft in eine Felsritze übergeben musste.
Vermutlich hätten wir es noch auf den Gipfel geschafft, allerdings war ich mir nicht mehr sicher, was den Rückweg anging. Unser Guide war keine wirklich Hilfe, da er weder Englisch sprach noch den Eindruck erweckte, er könne ein Handy bedienen um im Ernstfall Hilfe zu holen. Auf dem Gipfelgrat in 4050 Metern, keine 20 Minuten vom Gipfel entfernt beschlossen wir, umzukehren und unser Frühstück nicht mehr länger warten zu lassen.
Meine Höhenübelkeit verliess mich erst auf 3800 Metern, so dass ich noch zwei sehr malerische Bergtümpel verunreinigen musste, und Tinas FInger blieben bis zur Hütte klamm, aber pünktlich um 07:00 sassen wir beim Frühstück.
Der Abstieg war dann eher ein Antiklimax, denn mit müden Beinen und angeschlagener Moral nochmals 5 Stunden abzusteigen erwies sich als ernsthafter Charaktertest. Wir hätten jederzeit geschummelt und die Seilbahn genommen, wenn es denn eine gegeben hätte.
Die Schmerzen in den Beinen sind übrigens erst heute Morgen wirklich weg gewesen.
— Babak
























