Archiv der Kategorie: Tickermeldungen

Neues von Unterwegs

Nightswimming

Nightswimming, remembering that night
- REM -

Wie ihr auf den Bildern erkennen könnt, sind wir erstaunlich gut über die Feiertage ins neue Jahr gerutscht. Dank Lars und Ruth aus Auckland mussten wir Weihnachten fernab der Heimat nicht alleine verbringen, auch wenn bei Barbecue und Strandspaziergängen wenig weihnachtliche Stimmung aufkam (immerhin hatten wir Spekulatius). Der Abel Tasman Track war, wie erwartet, lang und voller Entbehrungen, welche allerdings signifikant dadurch gemildert wurden, das wir uns die Rucksäcke randvoll mit Rotwein und Leckereien gestopft hatten und somit wahrscheinlich die einzigen Reisenden in der langen Geschichte dieses Nationalparks sind, die auf den 52 Kilometern von Hütte zu Hütte noch ein par Pfund zugenommen haben. Wenn wir nicht gerade am Essen waren,  haben wir Flüsse und Lagunen durchquert, sind auf Tuchfühlung mit Robben und Pinguinen gegangen, wurden von Sandflies und Moskitos heimgesucht und haben uns die Haare im Fussswaschbecken gewaschen.

Die Sylvester Party am Fjord in Hopewell (technisch gesehen ein Sund, aber meines Wissens befinden sich keine Geologen unter der Leserschaft) wird sich wohl  noch sehr sehr sehr lange in der ewigen Bestenliste unserer schönsten Neujahrsfeiern halten. Neben Lars und Ruth haben wir auch Laetitia aus Belgien wiedergetroffen, mit der wir uns schon gemeinsam über den Berg in Tongariro gequält haben, so dass Tina über ISO Zahlen fachsimpeln und Babak seine französisch Kenntnisse aufpolieren konnte (Es ist uns allerdings nicht gelungen, eine vernünftige Übersetzung für “Tripticker” zu finden, wir wären hier sehr dankbar für kreative Vorschläge).

Mike und Lindlay vom Hostel haben Hotelgäste, Nachbarn und Freunde mit Muscheln, Canapées und selbstkreirten Cocktails versorgt (letzteres nicht ohne den wichtigen Hinweis, besser vorher noch alles aufzuschreiben, was wir vom Jahr 2008 noch im Gedächtnis behalten wollen).

Trotz einiger Cocktails werden wir uns vermutlich noch sehr lange zurückerinnern, daran, dass gegen Mitternacht ein gigantisches Lagerfeuer und ein etwas bescheideneres Feuerwerk den Strand erhellten, dass neuseeländischer Cuvée fast wie Champagner schmeckt, und dass wir, wie sich das für eine richtige Feier gehört, spätnachts zum rituellen Neujahrsbaden in den eiskalten Fjord gesprungen sind, was vermutlich zu unangenehmen Spätfolgen geführt hatte, wäre nicht ein 48° heisser Jaccuzzi zum Aufwärmen bereitgestanden.

Die Tage danach sind viel zu schnell vergangen, mit Regentagen bei Scabble und Schach, abendlichen Popquizz-Runden bei denen wir  versucht haben, mit orginellen Antworten unser Unwissen zu kaschieren (wer hätte gedacht,  dass der Vater von Norah Jones nicht Tom Jones ist, und wem war nochmal “Shine on you crazy diamond” gewidmet??? ), Hotstone Massagen für Tina und einigen Runden Golf auf dem vielleicht einzigen Golfplatz der Welt, auf dem die Greens mit Elektrozaun gegen streunendes Weidevieh gesichert sind.

Jetzt sitzen wir wieder in Nelson und haben den Tag damit verbracht, das restliche Proviant zu verbichten und die Hostels für die nächsten Wochen zu buchen.

– Tina & Babak

Party Waves

“The mind gets dirty
as you get closer to thirty”
blur – End of a century

Zuallererst vielen vielen Dank!! für die zahlreichen Geburtstagsgrüße per eMail, Anruf, Mailbox, SMS, MMS und Blogeintrag.  Es war tatsächlich einer meiner angenehmeren Geburtstage, abgeschlossen mit einem Surfgang in der Dämmerung mit gutmütigen Anfängerwellen und springenden Delfinen.

Tina und ich hatten zu Beginn sehr unterschiedliche Herangehensweisen an den Surfsport.
Ich war mehr so „Oh Mann, die letzten beiden Wipeouts haben verdammt WEH GETAN!“,
Tina war eher so in Richtung „Schau mal, ich habe Muscheln gefunden!“.
Doch seitdem haben sich echte Fortschritte eingestellt. Meine Wipeouts sind seltener geworden und Tina paddelt mit Todesverachtung und großem Elan inzwischen auch grüne Wellen an, so dass wir es gestern tatsächlich geschafft haben, ein wenig Schabernack zu treiben und einige Wellen gemeinsam Richtung Strand zu reiten („Paaartywaaave!!“).
Der Ozean in Taupo Bay war uns bisher sehr wohlgesonnen, wir hatten fünf Tage lang phantastische Wassertemperaturen und sanft rollende Wellen, und auch die Haie haben sich die Woche über eine Auszeit genommen und uns nicht belästigt.
Wir haben Schwärme von Fischen und Krebsen unter unseren Boards panisch flüchten sehen und eimerweise Tuatuas und Miesmuscheln für das Abendessen gesammelt (letztere unter Einsatz meines Lebens und meines einzigen sauberen Polohemdes in der Brandung von den Felsen gepflückt) und Tim von der Surfschule hat uns mit selbstgefangenen Langusten und Snappern verköstigt.

So langsam hat die Surferei ihre Spuren hinterlassen, ich kann meine Arme nur noch bis Schulterhöhe anheben und Tina zeigt erste Anzeichen von Seekrankheit, so dass es ganz gut ist, dass heute der Zeitpunkt gekommen ist, uns den Sand aus den Haaren zu schütteln und die lange Reise nach Süden zu beginnen.
Morgen verbringen wir den Tag noch in der Bay of Islands und fahren dann über Rotorua in den Mt. Tongariro National Park um uns ein wenig wie Frodo und Sam im Mordor zu fühlen.

– Babak

Endless Summer

Das wichtigste zuerst:  Unsere deutschen Handies sind meistens ausgeschaltet, damit sie nicht mitten in der Nacht klingeln und unseren Schönheitsschlaf beinträchtigen, aber unser Kiwi-Fon ist eigentlich immer griffbereit:

Plus sechs vier zwei eins zwei neun neun fünf null neun sieben.

Coromandel war ein Traum, vor allem die Black Jack Lodge in Kuaotunu (wird übrigens ohne jegliche Betonung ausgesprochen und bedeutet auf Maori: „junger gegrillter Aal“).
Generell hatten wir mit unseren Hostels bisher großes Glück: Das Marco Polo Backpacker in Orewa hat sich trotz strömendem Regens als idealer Zwischenstopp auf dem Weg nach Norden erwiesen, zum einen weil es dort ein völlig verstimmtes Klavier gab (aber wenn man Jazz spielt fällt das keinem auf) und zum anderen, weil ich einem Südafrikanischen Segler bei seinen Verständnisproblemen bezüglich „Also sprach Zarathustra“ helfen konnte.

Die Globetrekkers Lodge  in Omapere war Ausgangspunkt für unsere erste echte sportliche Herausforderung in Neuseeland: Sandboarding.
Neuseeland ist zu Recht nicht nur dafür bekannt, dass es dort spektakuläre Naturlandschaften zu entdecken gibt, sondern vor allem dafür, dass die unterschiedlichsten Landschaftstypen hier auf unglaublich engen Raum zusammengepfercht sind.
Kurz vor Omapere fährt man noch durch subtropische Farnwälder, die dann schlagartig abgelöst werden von rollenden  grünen Hügeln voll weidendem Milchvieh, und dann nimmt man ein Schnellboot über den Hokianga Harbour und wird fünf Minuten später abgesetzt zu Füßen gigantischer Sandberge, die man in dieser Form am ehesten auf dem Mars erwarten würde. Eben noch Rosamunde Pilcher und dann schlagartig eine Mischung aus „Lawrence von Arabien“ und „Dune – der Wüstenplanet“.
Sandboarding ist denkbar einfach: Man nimmt ein handelübliches Boogie-Board, klettert auf eine ausreichend steile Düne, legt sich auf das Brett, durchlebt je nach Bremsverhalten eine mehr oder weniger nervenaufreibende Beschleunigungsphase, schlägt dann etwas unsanft auf dem nassen Strand auf, schlittert weiter und macht dann Bekanntschaft mit den erfrischenden Wassertemperaturen der tasmanischen See. Dann versucht man möglichst schnell wieder an Land zu kommen, weil man beim Frühstück erfahren hat, dass sich regelmäßig kleine Gruppen von Orcas in die Bucht verirren und beginnt von vorne…

Gerade sitzen wir im Hackers Internet Café in Kaitaia, die letzten drei Nächte haben wir in der Endless Summer Lodge in Ahipara verbracht, in einem schnuckeligen Doppelzimmer zwischen grünen Hügeln und der Brandung, an einem Strand der nicht zu unrecht den Namen Ninety Mile Beach trägt.
Jetzt liegt noch eine Stunde Fahrt vor uns, und dann beginnt heute Nachmittag unsere erste Surf-Stunde.

– Babak und Tina

Die Muschelsucher

Wir sind jetzt noch nicht einmal eine Woche in Neuseeland, und schon macht sich das beklemmende Gefühl breit, dass wir unmöglich alle Dinge die wir tun wollten in zweieinhalb Monaten unterbringen können. Das hört sich vermutlich bescheuert an, aber schon jetzt fangen wir an abzuwägen, ob wir lieber das Kanufahren mit im Wald übernachten streichen sollen, oder den Trip zum East Cape, oder ob am Schluss doch noch der Abstecher in die Südsee dran glauben muss.

In Auckland haben wir uns erstmal mit den nötigsten Utensilien eingedeckt: Neopren Shirts, ein Schlafsack und Wollmützen für uns beide, neue Sneaker für mich (die alten wurden in Asien schweissgebadet, es ist ein Wunder, dass ich damit überhaupt durch den Zoll kam) und für Tina eine zweite Jeans, sowie alles was im Esprit Outlet Store nicht bei Drei auf den Bäumen war. Um das ganze Zeug auch irgendwie transportieren zu können, haben wir einen Toyota Corolla Baujahr 1996 gemietet, der uns für knappe 12,50 € am Tag hoffentlich wohlbehalten bis Weihnachten kreuz und quer über die Nordinsel bringt.

Von Auckland hat uns der erste Weg an die Coromandel Halbinsel geführt, die für Auckland in etwa das Gleiche ist, wie Long Island für New York. Nur ohne Amerikaner, dafür aber ebenfalls mit schicken Sommerhäusern und kilometerlangen weißen Sandstränden, bei deren Anblick wir uns als erstes gefragt haben, warum zum Geier wir eigentlich nach Bali geflogen sind. Gut, das Wasser hat noch gefühlte 17 Grad und der Wind pfeift auch noch ganz ordentlich, aber dafür wollte uns niemand Frühlingsrollen von zweifelhafter Qualität verkaufen und wir hatten 11 Stunden formvollendeten Sonnenschein ohne einen einzigen Moskito zu sehen.

Statt Mangosaft gab es dann Cappuchino am Strand und Tina hat einen kleinen Seestern gerettet, es war also im Großen und Ganzen ein perfekter Tag.

– Babak

Ich habe noch ein par schöne Fotos rausgesucht, damit Euch nicht langweilig wird, inklusive der Bucht vor Coromandel Town als neuem Header.

– Tina

Asien Fotos

Hier noch die letzten Asien Fotos.

– Tina

Adieu Asien

Nachdem wir im Tropical Bali Hotel  das Familiengästezimmer neben der Rezeption bekommen hatten und der aus Schweden angereiste Bruder des Besitzers dafür auf die Couch ausweichen musste, wurden wir konsequent in die Familie integriert und hatten wirklich wunderschöne letzte Tage auf Bali. Tina hat unserem indonesischen Privatmasseur noch einen Heimflug zu seiner Familie auf Java finanziert (und vermutlich noch die erste Rate für einen neuen Roller ;-) , und wir wurden mit Umarmungen und Küssen verabschiedet.

Auf dem Rückflug nach Singapur bin ich im Bordmagazin über einen Artikel gestolpert, in dem das thailändische Tourismusministerium darüber aufklärt, woran man Kindersextouristen erkennt. Neben der Aussage, dass neben weißen Euopäern nun auch vermehrt Italiener zu den Tätern gehören (Halbweiße Europäer? Weiße Europäer, die bei leichtem Körperkontakt umfallen und sich die Hände vor das Gesicht halten? ) hat mich Punkt 7 auf der “Wie erkenne ich Kindersextouristen” Checkliste stutzig gemacht: “Menschen, die fragen wo sie Sex mit Kindern haben können.”   …Hier sind eindeutig Profis am Werk.

Singapur ist komplett weihnachtlich dekoriert, der Flughafen war eine einzige Lamettaorgie und in der Innenstadt laufen kleine Asiatinnen mit Weihnachtselfkostümen herum und promoten Mobiltelefone. Es gibt eine Weihnachtsedition von Absolut Vodka mit roten Palietten, die im Duty Free Shop der absolute Top-Seller war. Der Taxifahrer vom Flughafen hat lautstark darauf bestanden, dass die Deutschen das intelligenteste Volk Europas sind und zum Beweis Albert Einstein (der immerhin so intelligent war, Deutschland rechtzeitig zu verlassen) und seine Blaupunkt Stereoanlage aufgeführt. Als wir in Little India ankamen hat er uns erklärt, dass hier viele Inder leben. Sein Vertrauen in unsere deutsche Intelligenz schien dann wohl doch noch nicht so ausgeprägt zu sein.

Singapur war für uns wie ein Zvilisationsvollbad: nach 6 Wochen endlich wieder Zebrastreifen und Kellner, die für das Wechselgeld keinen Taschenrechner brauchen. Wir haben uns saubere T-Shirts gekauft, völlig irrational bepreiste Cocktails getrunken, phantastische Burger gegessen (Quarterpounder mit Guacamole und Bacon) und ich war endlich beim Friseur (“You have very James Bond Haircut”, was auch immer das heisst, aber Hauptsache Tina gefällt es).

Der Flug nach Auckland war sanft und ereignislos. Wenn man von der nicht vorher angekündigten Zwischenlandung in Brisbane absieht, bei der wir mitten in der Nacht das Flugzeug verlassen und durch eine erneute Sicherheitskontrolle gehen musste. Bei dieser Gelegenheit wurde Tina auf Sprengstoff durchsucht und man hat uns Duty Free Einkäufe im Wert von 45 Dollar abgenommen. Ich hatte noch die Hoffnung, die Jungs von der Security nutzen die Gelegenheit um sich nach der Arbeit zur Abwechslung mal mit richtig gutem Zeug zu besaufen, aber ich befürchte, der Bombay Gin wurde einfach entsorgt. Für mich ganz klar der Beweis, dass die Terroristen doch gewonnen haben ;-)

Jetzt sitzen wir in Auckland bei Ruth und Lars auf dem Sofa, trinken Tee und freuen uns über kalten Wind und Regen. Tina hat noch tolle Asienfotos gemacht (Uluwatu Tempel bei Sonnenuntergang), die wir in den nächsten Tagen noch online stellen.

– Babak

Explodierende Eier und der teuerste Kaffee der Welt

Es ist mir schleierhaft, wie man Eier so pochieren kann, dass sie beim Anstechen explodieren und den halben Frühstücksraum gelb sprenkeln, aber die Jungs im Kommaneka Tangguyada hatten das echt drauf.

Eine weitere balinesische Spezialität ist der teuerste Kaffee der Welt, genussfertig vorverdaut durch unsere pelzigen Freunde aus dem Dschungel (kein Scherz!). Für 3 Euro die Tasse ein echtes Schnäppchen.

Unsere Tour durch Balis Norden hat uns nach Lovina geführt, wo man Delfintouren im Morgengrauen machen kann und sonst nicht so furchtbar viel. Zum ersten mal seit meiner Schulzeit habe ich wieder ein Buch am Stück gelesen (zwei um genau zu sein: Undercover Economist von Tim Harford und Eine kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch).

Jetzt sind wir zurück bei den verrückten Schweden im Tropical Bali Hotel, genissen die Ruhe und freuen uns auf Neuseeland.

Meine “Virus”-Erkrankung aus Ubud haben wir jetzt endlich mit unseren Antibiotika aus Deutschland in den Griff bekommen (soviel zu den diagnostischen Qualitäten unseres indonesischen Wunderdoktors), aber nach zehn Tagen Appetitlosigkeit habe ich jetzt wenigstens meine Bikinifigur wieder.

– Babak

Tiny Dancers

Tina hat auf Bali zu Ihrer alten Lieblingsdroge zurückgefunden: Balinesischer Kaffee ist aromatisch und STARK, so dass Tina oft schneller redet als ich zuhören kann und dann beginnt, ruckartig mit den Schultern zu kreisen wie eine balinesische Tempeltänzerin. Ich liebe es.

Gestern hat mich die gemeine Asiatische Pest zum ersten Mal richtig flachgelegt. Der Doc meint, es sei ein Virus, aber ich vermute es ist schlechtes Karma, weil ich gestern im Affentempel die ganze Zeit überlegt habe, wo ich einen Stock herbekomme um mir die heiligen Mistviecher vom Leib zu halten. Bin aber heute schon wieder ganz fit und kann Tina bei ausgedehnten Shopping Touren durch Ubud begleiten.

–Babak

Monkey Business

Nach unserer anstrengenden Bergetappe führte der erste Weg zu den Poring Hot Springs, wo wir im warmen Schwefelwasser unsere kaputten Gliedmassen auskurieren wollten. Die Quellen waren, nun ja, etwas weniger spektakulär als erwartet. Im Prinzip gibt es eine Reihe öffentlicher Badewannen, die man mit heissem Schwefelwasser füllen kann. Der Gesamteindruck der Anlage lässt allerdings zumindest den Verdacht zu, dass die hygienischen Bedingungen eher ausbaufähig sind, so dass wir es bei einem kurzen Fussbad belassen haben, umgeben von malayischen Familien, die sich in kompletter Strassenkleidung in die Wanne gesetzt und ihr Picknick ausgepackt haben. Auch wenn die Quellen nicht überzeugen konnten, der Urwald rund um die Anlage hat es mehr als wett gemacht. Trotz wirklich schwerer Beine haben wir uns nochmal auf einen Hängebrücken-Walk durch die Baumwipfel gewagt (vermutlich gebaut von den selben Wanderarbeitern, die auch schon in Taman Negara am Werk waren).

Danach war Affenzeit angesagt. In Sepilok werden verweiste Orang Utang Babies grossgezogen und ausgewildert. Zwei Mal am Tag kommen die wildlebenden Tiere noch zur Station zurück und werden gefüttert. Was die Orang-Utans übrig lassen wird dann von Makakken abgräumt.

Nach Sepilok ging es tiefer in den Dschungel, an der Kinabatangan River, der letzten Zuflucht in Nordborneo für Nasenaffen (Proboscis Monkeys), Leoparden und wilde Elfanten. In der Novemberausgabe des National Geographic ist ein sehr guter Artikel über den Kinabatangan enthalten, auch darüber dass die Urwaldreservate nicht mehr sind als ein kümmerlicher Rest der nach der Abholzung für die Palmölplantagen noch übrig geblieben ist. Trotzdem, oder gerade deswegen, sieht man extrem viele wilde Tiere. Bei großer Hitze kann man die Elfanten fast täglich im Fluss baden sehen. Wir hatten allerdings drei Tage Regen, so dass es die Elefanten vorzogen, einfach überall sonst nass zu werden und sich nicht haben blicken lassen. Dafür gab es Affen en masse, Wildschweine, Kingfisher, Fischadler, Warane und penetrante Fledermäuse beim Abendessen. Unser Bootsführer erwies sich als echter Affenexperte und brachte uns sogar bei, Affen zur riechen bevor wir sie sehen konnten.

Zwei zu Null für Mt. Kinabalu

Um das wichtigste vorweg zu nehmen: Der Kinabalu hat uns bezwungen, wenn auch nur knapp und auf den letzten Meter, das Ziel schon vor Augen.

Unser alpines Unterfangen begann ca. 23 Stunden vorher mit einem herhaften Frühstück in Kota Kinabalu und dem Aufbruch zum Berg um 06.30 Uhr. Nach der Registrierung und der Begrüßung durch unseren Guide, begann der Aufstieg zum Basislager auf 3200 Meter um kurz vor 09:00 Uhr. Die Hitze und die subtropische Vegeation liessen uns am Anfang vergessen, dass wir uns auf rund 2000 Metern Höhe befanden, aber spätestens nach einem Kilometer begann unser Puls unnatürlich heftig hochzuschnellen. Später kam das Pochen in der Schläfe hinzu, dass uns bis zum Gipfel und ein gutes Stück zurück begleitete.

Der Weg zum Basislager ist technisch nicht anspruchsvoll,  es ging eigentlich sechs Stunden lang immer nur bergauf. Spätestens auf 2500 Metern kam mir der Gedanke, ob es wirklich so clever war, mir unser gesamtes Gepäck für eine Woche Borneo auf den Rücken zu schnallen. Andererseits wurden wir regelmäßig sehr zügig von schwer bepackten Lastenträgern überholt, die Essen und 20 Kilo Gasflaschen zum Basislager schleppten.

Am nächsten Tag brachen wir gegen 02:30 in der früh mit Stirnlampen und einem mulmigen Gefühl im Bauch auf, wir alle anderen Kletterer mit dem Ziel, bei Sonnenaufgang auf dem GIpfel zu stehen.

An klaren Tagen kann mann vom Kinabalu bis auf die Phillipinen sehen (das geht noch nicht mal vom Everest!). An unserem Tag waren die Wolken so dicht, dass uns viel Raum für Phantasie blieb bezüglich der Frage, wie tief es eigentlich 10 Meter neben uns runtergeht.

Ab 3800 Metern hört die Vegetation auf und man arbeitet sich mit Hilfe der Fixseile über das Gipfelplateau auf den Gipfelgrat vor. Die Zahl unser Mitkletterer hatte sich schon deutlich gelichtet. Regen und Kälte hatten Tina so zugesetzt, dass Sie ihre FInger nicht mehr bewegen konnte, und als dann noch der Wind erheblich zulegte, brach das unser kleinen Expedition das Rückgrat. Bei mir kam noch eine plötzlich einsetzende Höhenübelkeit dazu, so dass ich mich auf der letzten Seilpartie erstmal schwunghaft in eine Felsritze übergeben musste.

Vermutlich hätten wir es noch auf den Gipfel geschafft, allerdings war ich mir nicht mehr sicher, was den Rückweg anging. Unser Guide war keine wirklich Hilfe, da er weder Englisch sprach noch den Eindruck erweckte, er könne ein Handy bedienen um im Ernstfall Hilfe zu holen. Auf dem Gipfelgrat in 4050 Metern, keine 20 Minuten vom Gipfel entfernt beschlossen wir, umzukehren und unser Frühstück nicht mehr länger warten zu lassen.

Meine Höhenübelkeit verliess mich erst auf 3800 Metern, so dass ich noch zwei sehr malerische Bergtümpel verunreinigen musste, und Tinas FInger blieben bis zur Hütte klamm, aber pünktlich um 07:00 sassen wir beim Frühstück.

Der Abstieg war dann eher ein Antiklimax, denn mit müden Beinen und angeschlagener Moral nochmals 5 Stunden abzusteigen erwies sich als ernsthafter Charaktertest. Wir hätten jederzeit geschummelt und die Seilbahn genommen, wenn es denn eine gegeben hätte.

Die Schmerzen in den Beinen sind übrigens erst heute Morgen wirklich weg gewesen.

— Babak